I. Was raschelt da im Keller
Werter Leser, wie Sie vielleicht schon wissen oder es zumindest ahnten, liegt unser Übungsraum souterrain. Um genau zu sein, sind alle Außenwände des Raumes von solidem schwäbisch-bayerischem Mutterboden umschlossen. Dies ist auch wirklich gut so, weil es die Nachbarschaftsbeziehung mit den Bewohnern umliegenden Anwesen doch erheblich vereinfacht, denn wie schon Wilhelm Busch erkannte: "Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." . Und das Geräusch kann bei uns je nach Stimmung und Tagesform einzelner Instrumentalvirtuosen (die zumeist entweder ein Stück Holz umgeschnallt oder in der Hand haben) apokalyptische Ausmaße annehmen, gegen die sich das Startgeräusch einer F 14 geradezu filigran ausnimmt...
Nun ja, also aufgrund der oben genannten Gebäudeeigenschaften ist die umliegende Außenwelt vor akustischen Beeinträchtigungen weitestgehend geschützt. Jedoch gibt es auch in unserem Probeetablissement ein Außenfenster (sogar ein großes!), welches, um das ungewollte Eindringen des schwäbisch-bayerischen Mutterbodens zu vermeiden, in einen sorgfältig betonierten zwei Meter tiefen bzw. hohen Lichtschacht mit Kiesgrund mündet. Im Gegensatz zur übrigen Umgebung ist dort der Schalldruck aber trotz Schallschutzverglasung erheblich, was jedoch den angesprochenen Nachbarschaftsbeziehungen keinen Schaden zufügt, da die Schallwellen durch den Lichtschacht fokussiert und gen Himmel gelenkt werden, wo sie sich dann in der Weite des Äthers verlieren dürften...
Also in nämlichen Lichtschacht führt das Schicksal immer mal wieder Pioniere der heimischen Fauna, die dann aufgrund der betonierten Wände den Schacht nicht mehr verlassen können, und auf diese Weise gezwungen sind, sich den sehr speziellen Lebensbedingungen vor unserem Proberaumfenster anzupassen oder unterzugehen... Hierdurch haben wir ungeplant einen eigenen Lebensraum, quasi eine Art Wonderdocs Galapagos geschaffen, in dem sich über die Jahre hinweg nun eine Vielzahl nur hier vorkommender (endemischer) Tierarten entwickelt hat. Ein befreundeter Biologe machte uns auf diese Situation aufmerksam und hat bereits ein DFG Förderantrag für die Erforschung dieser Biosphäre gestellt. Eine (unvollständige) erste Bestandsaufnahme der Bewohner unseres Lichtschachts umfaßt u.a. folgende Spezies:
Ich hoffe, mir ist es gelungen Ihnen mit diesen Zeilen so etwas wie Vorahnung von den Ausmaßen des Wonderdocs Biotopes zu vemitteln. Und sollte es Ihnen auch einmal so ergehen, wie unlängst unserem reinlichen Vocaltrapezkünstler Klaus -Dieser erschien nämlich in sichtlich besorgtem Gemütszustand im Proberaum der Woderdocs, da er um das Wohlbefinden eines seiner Mitmusiker aufgrund einer akzidentiellen Nadelaktivierung seiner Voodoo-Puppe im Rahmen der (von Ihm selbstverständlich auf weibliche Delegation hin durchgeführten) wöchentlichen Raumpflege fürchtete- dann sagen sie sich einfach "It´s a long way to the top if you wanna rock´n´roll".... So long Doc |