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J(ux) a(nd) T(ollerei)

Ein Tag mit K. - Nach einer wahren Geschichte

 

Nach langen und zähen Verhandlungen mit einem Vertreter für, sagen wir mal Medizin im weitesten Sinne, war es mir vergönnt, an einem kalten und windigen Dienstag mit Herrn K. (Name von der Redaktion geändert) den harten und entbehrungsreichen Alltag eines Hausierers kennen zu lernen. Ich beschränke mich in meinem Bericht auf einige Auszüge aus dem Tagesgeschehen, da es nicht nur spannende oder unbedingt berichtenswerte Momente im Tagesablauf gibt und weil es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die selbst mir (und das will was heißen) peinlich sind!

Der Tag begann mit einem kreischenden Geräusch, welches unter meinem Bett erst ganz leise begann, sich aber dann zu einem Getöse biblischen Ausmaßes entwickelte. Ich hieb mit einem gezielten Handkantenschlag auf meinen Wecker ein, woraufhin er prompt verstummte. Kurze Zeit später war ich dann nicht zuletzt dank ausgefeilter Schminktechniken als Mensch zu identifizieren.

Es konnte losgehen und tat es auch. Punkt 6.53 Uhr schrillte mein Handy und K. teilte mir mit, dass er mir nicht entgegenkommen könne, da er bereits am Sitz festgefroren sei. Ich stieg also mit bangen Gedanken in einen rollenden Gefrierschrank, während der Scheibenwischer sein bemitleidenswertes Gummi erfolglos über die Frontscheibeneisskulpturen kratzte. Die ersten Kilometer kannte K. den Weg. Ab Dasing haben wir ihn dann auch wieder gesehen. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich meine Atmung wieder von Hyperventilieren auf normale Schnappatmung herunterfahren. Mit belanglosen Gesprächen zur Rettung der Welt im Besonderen und Deutschland im Speziellen überbrückten wir die Zeit bis zum ersten Kontakt des Tages.


Der fand telefonisch statt und richtete sich an eine Zielperson Namens „Nemofischlein“! Da besagte „Feuchtgebietbewohnerin“ aber zu diesem Zeitpunkt nicht persönlich zu erreichen war, hinterließ K. auf ihrer Mailbox eine Nachricht mit Grund des Anrufs und der Bitte um Rückruf. Bereits beim Wählen der „Fisch-Hotline“ bemerkte K. seine noch halb geschlossenen Augen. Um diesen kaum haltbaren Zustand zu ändern, steuerten wir flugs eine Tankstelle an, um deren Vorrat an völlig überteuerten koffeinhaltigen Heißgetränken erheblich zu reduzieren. Leider war die Brühe so was von heiß, dass wir auf die „hallo wach“ Wirkung bis zur Trinkbarkeit des Gebräus warten mussten.


Kurz nach Sonnenaufgang enterten wir den Eingangsbereich unseres ersten Opfers in Oberbayern. Die Tür zum Empfang noch euphorisch aufgestoßen, trafen meine Blicke auf eine Frau vom Typ Landpomeranze. Die Tränen waren gerade am Abtrocknen, als sich die Kollegin in mein Blickfeld schob. Vorsichtig ausgedrückt sollte in den Berufsschulen ein Unterrichtsfach eingeführt werden, welches den richtigen Umgang mit dem eigenen Körper, Schminke und diversen Kleidungsstilen im direkten Bezug zum deutschen Rechtssystem behandelt. Der Arzt, eigentlicher Grund unseres Besuchs, erschien dann auch „hochkonzentriert“ und lauschte den Ausführungen K’s, indem er nebenbei Krankenakten las und Rezepte und Krankmeldungen unterschrieb. Deprimierend! Eine kurze Atempause von K. nutzte er dann auch sofort, um uns zu verabschieden. Mit Handschlag zwar und freundlich lächelnd, aber doch sehr bestimmt.


Zurück im Auto, blinkte K’s  Mailbox! „Nemofischlein“ hatte geantwortet, aber da wir just zu diesem Zeitpunkt Verkaufsgespräche führten, blieb ihr nur, das Band zu besprechen. K. rief umgehend zurück und beantwortete alle Fragen sachlich richtig auf ihren Anrufbeantworter. Ein Teufelskreis!!!


Zielperson 2 des Tages verursachte schon im Vorfeld schweißnasse Hände. Den Grund dafür würde ich gleich sehen, sagte K. Ich sah ihn! Kurz nachdem das Tor zur Hölle aufgestoßen war, erblickte ich den Grund allen Übels. Ein Gesicht, so einladend wie ein ungemachtes Bett, an einem Körper für drei Personen, saß Format füllend am Empfang. K. stellte mit zitternder Stimme sich, mich und den Grund unseres Besuches vor, wurde aber sofort von der durchdringenden Stimme des „Grottenolms“ unterbrochen. „Och nee dos gehd heide aber nisch mir homm heide gar keene Zeid weil es iss nämlisch Fasching un mir sinn de Vordredung!“ Diesen Satz würgte sie noch zwischen Nase und unmittelbar daran angrenzendem Doppelkinn heraus, ehe sie sich mit einem beängstigenden Stöhnen vom Stuhl erhob und lautstark in ein Headset redend im Hinterzimmer verschwand. Bei Jabba the Hutt sah jede Bewegung eleganter aus und selbst ich war froh, unversehrt aus dieser Praxis zu kommen.


Den Glauben an das Deutsche Vorzimmer gab mir der nächste Besuch zurück. Frau Doktor irrte zwar etwas planlos durch ihre Praxis und musste von ihren Helferinnen sanft in die richtige Richtung geleitet werden, aber das komplette Team war sehr kommunikativ, wirkte sehr freundlich und der Menschheit gegenüber aufgeschlossen. Mit einem Lächeln auf den Lippen traten wir hinaus in die oberbayrische Kälte.

In einer der nächsten Praxen wurden mir die schönsten „Augen“ des Tages präsentiert. Mit einem göttergleichen Augenaufschlag wurde uns der Zugang zur Chefin gewährt. In bequemen Ledersesseln sitzend, erklärte K. der Ärztin alle Neuheiten zu seinem Produkt. Nachdem ich diese Ausführungen nicht das erste mal heute hörte, konnte ich bereits an den richtigen Stellen zustimmend nicken, was bei beiden für etwas Verwirrung sorgte. Ich fand mich glaubhaft und gut.


Ein weiterer Besuch führte uns in „Ausstellung Moderner Kunst“. So zumindest war mein erster Eindruck, den mir die Praxis bot. Bilder über den Türen und an den Wänden wirkten interessant und lenkten von der Tristesse vieler anderer Wartebereiche angenehm ab. Auch hier war eigentlich keine Zeit für Vertreterbesuche an diesem Tag, aber auf K.’s Versicherung hin, es nicht unnötig in die Länge zu ziehen, wurde uns eine Audienz zwischen zwei Patienten zugestanden. Während der Wartezeit entspann sich ein nettes Gespräch zwischen uns und den Schwestern. Den, wie ich finde in einem Raum voller Damen äußerst mutigen Hinweis K.’s auf die bevorstehende Fastenzeit, übergingen die Mädels großzügig und konterten mit der Bemerkung, dass die Starkbierzeit die angenehmere Alternative darstelle. Dankbar griff K. das Friedensangebot auf und gelobte beim nächsten Besuch Bier in richtiger Menge und Qualität mitzubringen. Diese Ankündigung quittierte dieselbe Kollegin mit einem Lächeln, die gerade einem Patienten sagte: „Und morgen bitte nüchtern zur Untersuchung kommen!“
Ich fand es bemerkenswert, wie unterschiedlich doch in einem Haus die Interessen verteilt sind. Für die Ärztin war es das Medikament und für die Schwestern das „kurze“ Gespräch und das versprochene, nahrungsergänzende Kaltgetränk.


Die Zeit zwischen den Besuchen verbrachte K. wieder damit, aufgelaufene Meldungen abzuhören, zurückzurufen und seinerseits Mailboxen zu besprechen. Eine überaus gesellige Freizeitbeschäftigung, dieses „Mailboxing“!


Die nächste Herausforderung sollte sein, in einer Großstadt mitten in Bayern gegen 10.45 Uhr einen Parkplatz zu finden. Nicht in der Nähe der nächsten Praxis, sondern einfach nur in derselben Ortschaft. Wir fanden nach ausdauernder Suche überraschenderweise einen, ohne noch einmal auftanken zu müssen. Aber es drängte plötzlich die Zeit, da der Mittag immer näher rückte. Also im Laufschritt zur gut geheizten nächsten Station mitten durch die von eisigen Winden durchzogenen Innenstadt.
Die nette ältere Dame am Empfang lächelte uns freundlich, mitleidig an und schickte uns ohne weitere Worte gleich durch in ein Behandlungszimmer. Nach wenigen Minuten erschien dieselbe Dame vom Empfang und stellte sich als Ärztin vor. Die Unterhaltung war für mich fast schon eine Offenbahrung. Übergangslose Wechsel von Familienfragen über medizinische Fragen zum Produkt bis hin zu Themen der Weltpolitik und das alles in einer beruhigend sanften Stimmlage und Ausdrucksweise – es war wie ein Besuch bei Oma! Klasse. Beim Abschied fand sie sogar noch Zeit, ein persönliches Gespräch über mich anzuzetteln. Traumhaft, diese Frau. Der Job konnte also auch Spaß machen.


Nach diesem aufbauenden Besuch ging es im Sauseschritt quer durch die arschkalte Innenstadt zur nächsten Anlaufstelle. Neben einer großen Schaufensterfront ging es durch einen Torbogen in den Hinterhof und von da über eine Selbstmördertreppe in den ersten Stock. Dort angekommen war ich mir sicher, nicht bei einem Arzt, sondern in einer Metzgerei zu sein. Lange Gänge in dezentem gilb, eine Anmeldung in ähnlich freundlichem Farbton, eine frisch Ausgelernte in einem „altweißen“ Kittel hinter einem 70-iger Jahre Tresen, fertig ist keine moderne Praxis!
Die Wartezeit „Mittagspause“ verkürzte uns anfänglich ein Telefonat mit einer höchst erotischen Stimme, welche endlich einmal nicht vom Band kam, sondern als Live Gespräch durch den Äther geschickt wurde. Ich erfuhr Dinge aus dem Leben dieser Frau, die mich gefühlstechnisch zerrütteten. Von Mitleid über Bestürzung bis peinlich berührt, es war so ziemlich alles dabei. Als das Telefonat beendet war, sollte es die weltbeste Leberkässemmel aus der Metzgerei geben, vor der wir währenddessen parkten. Wie sich beim Aussteigen aber zeigte, war auch in diesem Laden gerade Mittagspause, also geschlossen! Mist! Mit knurrendem Magen vor einer Metzgerei mit den besten Leberkässemmeln der südlichen Hemisphäre dämlich aus der Wäsche zu gucken, das rundete die Erfahrungen des Tages bisher perfekt ab.

Entschädigt wurden wir dann durch einen persönlichen Anruf vom „Nemofischlein“. Zuckersüß säuselte sie, wie alle vorherigen Anrufer nichts von meiner Anwesenheit wissend, in das Telefon und erzählte Dinge, die selbst meine ziemlch tief angesiedelte Schamgrenze noch deutlichst unterliefen. Erschütternd! K. empfahl Nemo, welche sich über ihr nicht vorhandenes Sexleben beschwerte, einen Eiweiß-Shake aus der Apotheke. Dieser Vorschlag wurde dann ausgiebigst in allen Nuancen durchdiskutiert. Im Gesprächsverlauf lernte ich dann auch noch den Begriff „Schubladendenken“ aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten.

Mein komplettes Weltbild wurde also an diesem einen Tag komplett über den Haufen geworfen. Danke dafür K. und Kolleginnen!
Auf der Rückfahrt von unseren letzten Arztbesuchen dieses Tages blickte ich auf alles Erlebte des Tages noch einmal zurück und entschied mich spontan, meine Erfahrungen allen Menschen zuteil werden zu lassen. Ich hoffe, allen ein Bild vom Beruf „Vertreter“ geliefert zu haben, wie es wirklich ist.

 

Judith aus Trier - Ein SMS-Drama in mehreren Akten 

Es ist Samstagabend, die WD´s befinden sich auf einer Party. Viktors (Name von der Red. geändert) Handy läutet: eine unbekannte Nummer! Nach längerem Zögern siegt Viktors Neugier ob des mysteriösen Anrufes. Er beginnt eine SMS zu schreiben. Und die unglaubliche Geschichte nimmt ihren Lauf.......

Viktor: Wer bist du?

Judith: Judith. Hallo Michaela!

V: (stirnrunzelnd) Wie jetzt? Judith oder Michaela? Aber ich heiß Viktor.

J: Hast du das Handy von Michaela A.? Die hatte nämlich vorher die Nummer.

V: (leicht verwirrt) Nein, ich hab mir mein Handy neu gekauft und hab die Nummer bekommen. Und die hab ich jetzt schon      seit drei Monaten!

J: Dann Entschuldigung!!

V: (leichte interessante weibliche Beute witternd) Ich hab da kein Problem damit, leicht neue Leute kennen zu lernen.

J: Ich wohn in Trier und du?

V: Also ich wohn in Augsburg, praktisch fast um die Ecke. Ich weiß, man fragt´s eigentlich nicht, aber wie alt bist du?

J: 28 Jahre und du, warum?

V: Ich bin 23 (Anm. d. Red.: Angabe fehlerhaft!), einfach nur so.

J: (Die Wangenröte steigt ihr ins Gesicht.) Bist du Single?

V: (Die Wangenröte steigt ihm ins Gesicht.) Ja, ich bin Single. (Die Spannung steigt, Hoffnung keimt auf, es folgt ein Telefonat)

J: (nach dem Telefonat, ihre Wangen glühen) Hallo, du hast voll die süße Stimme. Ich mag dich jetzt schon, auch wenn ich dich noch nicht gesehen habe.

V: Hübsche Stimmen haben auch meistens hübsche Gesichter. 

Bis hierhin zeigt sich dem mitfieberndem Publikum der Beginn einer zarten Romanze, die abrupt ihr jähes Ende nehmen soll, als Judith ihm ein Bild von sich schickt. Man ahnt es schon. Viktors Traum zerbricht, als ihm das Foto einer ältlichen Fleischereifachverkäuferin entgegenblickt. Seine Blick wird hohl, die Farbe weicht aus seinem Gesicht, ihm ist die Enttäuschung anzusehen. Viktor holt sich Rat bei den WD´s ein.

J: (vom Unheil nichts ahnend) Hast du das Bild gekriegt? Wie findest du es?

V: (Viktor schickt nach einer kurzen Unterredung mit den WD´s ein Bild eines Bekannten mit dem Unttertitel:) BIST DU REICH?

J: Nein, warum? Du bist aber voll süß.

V: (Entsetzen, Verzweiflung, Panik) Also, ich hab dir was verschwiegen. Ich find dich zwar ganz nett und so, aber ich bin schwul.

J: Ach nur, oder? (Anm. d. Red.: Häääääh???) Soll ich deine Nummer löschen?

V: (kurze Unterredung: das könnte noch lustig werden!) Nicht, wenn du mich vom Gegenteil überzeugen kannst.

J: Wie meinst du das? Meinst du mit Frauen?

V: (die WD´s lachen Tränen) LÖSCHEN!!!!!!!

J: Was ist jetzt los? Ich kann dich vom Gegenteil überzeugen. Hab auch schon beides hinter mir.

V: (die WD´s kreischen vor lachen) O.K. mal ehrlich, du bist 1,80 m groß, schlank, vollbusig, hast schwarze lange Haare, sitzt auf ner Party wie ich und verarschst mich, oder?

J: Nein, warum? Gefällt dir das Bild nich? Bin aber jetzt dünner und hab jetzt blonde Strähnchen drin und war auch schon ein Jahr lang mit einer Frau zusammen, aber ich steh jetzt nicht mehr drauf, sondern nur noch auf Männer.

V: (jetzt geht es in die heiße Phase) 1. nein, 2. nein, 3. unwesentlich, 4. unwesentlich und 5. mein Akku ist leer, schreib bitte ab jetzt an folgende Nummer 0179...... (die WD´s wollen es nach einer gewissen Sendepause nun genau wissen) Was ist los, warum meldest du dich nicht mehr?

J: Du hast doch eh zu allem nein gesagt.

V: Nein, nur zu zwei Sachen. Was machst du gerade?

J: Welche zwei meinst du?

V: Eine letzte SMS zum Schluss: Wir sind die WonderDocs. War nett mit dir.

 

 

 
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